Strategie zur Wahrheitssuche im Internet PDF Print E-mail
Written by Channing   
Wednesday, 22 October 2008 15:45

Viele Leute, die auf die Spur der Ungereimtheiten in der offiziellen Version des 11. September oder bei anderen „Verschwörungstheorien“ kommen, stehen vor dem Problem, wie sie Wahrheit von Unwahrheit im Internet unterscheiden können. Dies ist anscheinend ein ernsthaftes Problem, denn dieses werde ich in persönlichen Gesprächen über meine Recherchemethoden oft gefragt. Daher stelle ich hiermit meine Methode vor, wie ich mein Weltbild aus der Unmenge an Informationen aus dem Internet forme.


Dynamisches Weltbild


Die erste Erkenntnis ist, das ich kein entgültiges Weltbild habe. Meine Erkenntnisse unterliegen einem dauerhaften Wandel. Ich bin bereit, meiner Meinung gegenüber einer Behauptung, die ich einmal angenommen oder abgelehnt habe, auch wieder zu revidieren, sollte ich genügend Beweise für das Gegenteil finden. Mit dieser Unsicherheit muss man eben leben, finde ich, sobald man sich von der offiziellen Weltbild verabschiedet. Ich finde es ist sogar ein Zeichen von Selbstbewusstsein und Reife, wenn man sich nicht mehr von den Massenmedien vorschreiben lässt, was man für wahr oder falsch zu halten hat.

Es ist zwar ein fluktuierendes Bild der Wahrheit, dass ich damit aufbaue, aber dennoch befindet sich dieses Bild in einer Art „dynamischem Gleichgewicht“. Sie ist schon sehr nützlich, die Vorgänge auf der Welt zu verstehen. Ich würde sogar sagen, dass ich die Vorgänge in der Welt jetzt viel besser verstehe als vorher und dadurch sogar gelassener geworden bin.

Drei Kategorien: wahr, falsch, unbekannt

Jede Aussage, die ich im Internet finde, beurteile ich grob in drei Kategorien: wahr, falsch oder unbekannt. Die dritte Kategorie ist sehr wichtig. Viele Leute finden sich ungern mit Unsicherheiten ab und treffen daher direkt eine Entscheidung, wenn sie auf neue Informationen stoßen, ob diese wahr oder falsch ist. Dies ist aber ein Fehler, denn es kann schnell dazu führen, dass ganze Glaubensgebilde auf Unwahrheiten konstruiert werden. Besser ist es bei einer Aussage, bei der man sich nicht sicher ist, diese nicht sofort zu entscheiden. Man kann ja die Information erst einmal unentschieden in Hinterkopf behalten. Später wird dann vielleicht aus anderen Quellen diese Aussage bestätigt oder widerlegt werden können.

Zwei unabhängige Quellen

Eines der wichtigen Kriterien zur Wahrheitsfindung ist, ob die gleiche Behauptung von mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellen gemacht wird. In solch einem Fall nehme ich an, dass die Wahrscheinlichkeit, dass diese Behauptung wahr ist, sehr hoch ist. Natürlich ist es gerade in Internet ein Problem herauszufinden, aus welchen Quellen letztendlich die Informationen kommen. Häufig sind aber die Quellen angegeben und man kann am Text erkennen, ob es sich einfach um ein Copy/Paste handelt, oder tatsächlich um einen separaten Bericht.

Cui Bono?

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Frage, die man sich bei jeder Behauptung oder Bericht stellen sollte: „Wem nützt die Verbreitung dieser Information?“. Häufig kann man bei Berichten eine Absicht erkennen, beim Leser dieser Information eine bestimmte Reaktion auszulösen. Wenn man dies erkannt hat, so kann man dann weiter herausfinden, wem diese Reaktion nützen würde. Wenn der Nutzen nicht der Allgemeinheit dient, sondern bestimmten Interessen oder einzelnen Personen, so gehe ich davon aus, dass es sich hierbei eher um die Unwahrheit oder zumindest einer Halbwahrheit handelt. Mir ist auch bewusst, dass die besten Lügen solche sind, die mit der Wahrheit vermischt sind.

Ein weiteres Puzzelstück

Ein etwas schwächeres Kriterium aber dennoch nützliches Kriterium zur Wahrheitsfindung ist, ob eine Behauptung sich nahtlos in mein bisheriges Weltbild einfügt, wie ein Puzzelstück eben. Günstigerweise würde diese neue Erkenntnis entweder mehr ungeklärte Phänomene erklären oder zu einer höheren Zufriedenheit erklären.

Häufig ist dies das einzige Kriterium, das ich anwenden kann, da viele Informationen aus dem Internet sich nicht unabhängig bestätigen lassen und sich auch keine klare „Desinformationsabsicht“ dahinter erkennen lässt.

Ansehen ist unwichtig

Was bei mir nicht ein Kriterium zur Wahrheitsfindung ist, ist das sogenannte „Prestige“ oder „Ansehen“ einer Quelle. Es ist viel zu leicht Leute in die Irre zu führen, die sich auf solch ein Kriterium verlassen. Hierzu stelle man sich einfach vor, dass jemand mit hinterhältigen Absichten zunächst eine prestigeträchtige und angesehene Nachrichtenquelle aufbaut, die immer wahrheitsgemäße Informationen herausgeben würde. Diese Nachrichtenquelle könnte dann, sobald das notwendige Ansehen vorhanden ist, anfangen, falsche Informationen herauszugeben eben zum Zweck dieser hinterhältigen Absicht. Sollte dann diese Nachrichtenquelle an Ansehen verlieren, würde diese einfach aufgegeben werden und eine neue Quelle aufgebaut.

Es daher wichtig, jede Aussage einzeln zu überprüfen, und sich nicht darauf zu verlassen, dass die Quelle dieser Information bisher immer die Wahrheit von sich gegeben hat.

Occam's Razor nicht verwenden


Ockhams Rasiermesser ist das Prinzip der Sparsamkeit in der Wissenschaft. Es besagt, dass die Erklärung für einen Sachverhalt, die mit möglichst wenig Annahmen auskommt, die bevorzugte sein soll. Was aber für die Wissenschaft - vor allem in den Naturwissenschaften - gilt, muss nicht im Bereich der menschlichen Interaktionen gelten! Richtig ist es dieses Prinzip bei der Untersuchung der Natur anzuwenden. Denn diese ist fast immer in irgendeiner Form optimal aufgebaut. Menschen dagegen verhalten sich oft suboptimal und irrational. Sie handeln oft umständlich oder machen Sachverhalte unnötig komplex.

Würden sich Polizeikommissare bei der Untersuchung von Verbrechen auf dieses Prinzip verlassen, so könnten Verbrecher, die sich dessen bewusst sind, diese leicht austricksen. Sie könnten dem Verdacht entkommen, indem sie ein Verbrechen unnötig komplex oder umständlich begehen. Der Polizeikommissar würde ja dann mithilfe von Ockhams Rasiermesser schlussfolgern, dass sie als Verdächtige nicht in Frage kämen, weil sie als Verbrecher etwas unsinniges gemacht haben müssten.

Deine Intuition


Mit der Zeit habe ich ein intuitives „Gespür“ dafür bekommen, was meiner Meinung nach wahr und was falsch sein könnte, so dass ich dies auch innerhalb eines Berichts unterscheiden kann. Diese Intuition aufzubauen kommt mit der Zeit und erlaubt es einem, Informationen schneller zu verarbeiten. Man sollte also am Anfang seiner Wahrheitssuche zunächst Geduld aufbringen, bis man seine persönliche Intuition aufgebaut hat.

 

Last Updated on Wednesday, 22 October 2008 16:42